Polen: Eng verzahnt mit Deutschland

Polen importiert aus Deutschland vor allem Komplettmaschinen. Auf der Exportseite finden sich zu zwei Drittel Maschinenteile und -komponenten.

Als Produktionsstandort kommt Polen im Maschinenbau eine bedeutende Rolle in Europa zu. Im Jahr 2019 wurden von polnischen Unternehmen Maschinen und Anlagen im Wert von knapp 15 Mrd. Euro ausgeliefert. Damit landet das Land auf Rang 11 in der EU-27. Tschechien platziert sich mit ebenfalls gut 15 Milliarden Umsatzvolumen nur knapp vor Polen. Mehr als die Hälfte des polnischen Umsatzes wird in nur fünf Maschinengruppen generiert: Bergwerks-, Bau- und Baustoffmaschinen; Landmaschinen, Verbrennungsmotoren und Turbinen; Hebezeugen und Fördermitteln; kälte- und lufttechnische Erzeugnisse für den gewerblichen Einsatz.
 

Viertwichtigster Exportmarkt für Deutschland

Im Jahr 2019 wurden in Polen Maschinen und Anlagen im Wert von 19 Milliarden Euro verkauft. Deutsche Maschinenbauer konnten in den letzten Jahren bei einer Vielzahl von Projekten von der Investitionsgüternachfrage in Polen profitieren. Zwei Drittel ihrer Maschinenlieferungen sind komplette Maschinen. Deutschland hält seit 2014 einen Marktanteil zwischen 33 und 36 Prozent, 2019 waren es 35 Prozent. Zwar haben sich die deutschen Maschinenlieferungen im aktuellen Krisenjahr 2020 im Vorjahresvergleich verringert, mit minus 9,2 Prozent war der Rückgang in den ersten neun Monaten aber weniger ausgeprägt als im Durchschnitt aller Länder, der bei minus 13,2 Prozent lag. Und weil sich das deutsche Liefervolumen in andere Märkte stärker reduzierte, schob sich der Absatzmarkt Polen im Ranking aus deutscher Perspektive weiter nach vorne und liegt aktuell auf dem vierten Platz.

 

Beschaffungsmarkt Polen nach wie vor interessant

Deutschland und Polen sind aber nicht nur aus deutscher Perspektive eng verzahnt. Gleiches gilt aus polnischer Sicht, denn Deutschland ist der wichtigste Exportmarkt der polnischen Maschinenindustrie weit vor dem östlichen Nachbarland Russland. Vom gesamten Exportvolumen, das im Jahr 2019 rund 14 Milliarden EUR betrug, wurde rund ein Viertel in Deutschland verkauft. Zwei Drittel, der in Deutschland verkauften polnischen Maschinenbauerzeugnisse, sind Teile und Komponente. Aus sektoraler Sicht handelt es sich dabei vor allem um Erzeugnisse der Allgemeinen Lufttechnik, Fördertechnik, Antriebstechnik, Armaturen, Baumaschinen und Baustoffanlagen sowie Landtechnik.

 

Negative Auswirkungen der Pandemie geringer als in den meisten EU-Ländern

Wie ist die aktuelle Situation für die polnischen Maschinenexporteure? Ihr Liefervolumen verfehlte in den ersten acht Monaten des Jahres 2020 im Branchendurchschnitt den Vorjahreswert um 5,4 Prozent. Während die Lieferungen nach Deutschland 8,4 Prozent geringer waren als im Vorjahr, stiegen sie in den zweitwichtigsten Markt Russland um 5,8 Prozent.

 

Gesamtwirtschaftlich dürfte Polen auch diese Krise besser bewältigen als die meisten EU-Mitgliedsländer: Die EU-Kommission erwartet für 2020 einen BIP-Rückgang um 3,6 Prozent und für 2021 einen Zuwachs von 3,3 Prozent. Zum Vergleich: Die Durchschnittwerte aller EU-Länder sind minus 7,4 bzw. 4,1 für 2021.

Im Maschinenbau schrumpfte die Produktion in Polen in den ersten drei Quartalen 2020/2019 um 15 Prozent, also in gleicher Größenordnung wie in Deutschland, wenn man den Maschinenbau nach NACE rev. 2 Kapitel 28 zugrunde legt. Am Jahresende dürfte ein Rückgang von 12 Prozent stehen bleiben. Im Jahr 2021 könnte Polen dann innerhalb der EU zum Wachstumsspitzenreiter avancieren. Oxford Economics prognostiziert Zuwachsraten zwischen 15 und 20 Prozent, je nachdem welches Szenario hinterlegt wird. Mehr dazu finden VDMA-Mitgliedsfirmen exklusiv in unserem Konjunkturbericht „Maschinenbau Konjunktur International“.

 

EU-Fördergelder

Die polnische Wirtschaft hat in der ablaufenden EU-Haushaltsperiode stark von EU-Geldern profitiert. Im Zeitraum 2014 bis 2020 erhielt das Land 82,5 Milliarden Euro, soviel wie kein anderes Mitgliedsland. Von den EU-Fördergelder können auch ausländische Investoren profitieren. Unter anderem haben die PSA-Gruppe und Daimler in den letzten Jahren Produktion in Polen etabliert, aber auch mittelständische Unternehmen.

Die Förderstrategie der letzten Jahre fokussierte sich in Polen auf die Themen Infrastrukturausbau und Umweltschutz. Es gab mehrere Projekte zum Kapazitätsausbau im Bereich Kohlekraftwerke und zum Retrofit von bestehenden Kohlekraftwerken mit umweltfreundlicherer und effizienterer Technik, außerdem öffentliche Projekte zu den Themen Abfall und Recycling. Neben den Verkehrsinfrastrukturprojekten spielte der Ausbau der Erdgasinfrastruktur eine große Rolle sowie der Bau von Chemieanlagen.

Polen ist und bleibt größter Nettoempfänger der Europäischen Union und kann sich dank der Zahlungen aus Brüssel auch immer wieder als Wirtschaftswunderland innerhalb der Gemeinschaft präsentieren. Nun aber blockiert das Land zusammen mit Ungarn die Auszahlung des Europäischen Aufbauplan NextGenerationEU, da beide die von der EU geplanten Instrumente zur Rechtsstaatlichkeit ablehnen. Die Ratifizierung des EU-Haushaltes für die nächsten sieben Jahre wird ebenso blockiert. Europa braucht aber gerade jetzt Zukunftsperspektive statt Zoff. Die VDMA-Position dazu finden Sie hier.

VDMA-Mitgliedsunternehmen steht in der VDMA-Statistikdatenbank der internationale Warenverkehr von 52 Ländern auf Warenpositionsebene zur Verfügung. Der Datenfundus ist sowohl für die Wettbewerbsanalyse als auch für die Markterschließung hilfreich.

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