Reisen bildet!

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Geschäftsreisende aus Deutschland tragen wie aus keinem anderen Land zum Wirtschaftswachstum ihrer Reisezielländer bei. Grund dafür sind Wissenstransfers.

Forscher der Universität Harvard haben in einem kürzlich in der Zeitschrift „Nature Human Behaviour“ erschienenen Forschungspapier modelliert, welche globalen Wachstumseffekte durch Geschäftsreisen entstehen.

Um diese Wachstumseffekte zu quantifizieren, bilden die Autoren zunächst anhand anonymisierter Daten über den internationalen Einsatz von Firmenkreditkarten ein Geschäftsreisenetzwerk ab. Verknüpft mit weiteren Variablen, insbesondere aus Industriestruktur- und Exportstatistiken, ermöglichen diese Daten den Autoren eine ökonometrische Kausalanalyse mit deutlichem Ergebnis:

Geschäftsreisen aus Ländern, die auf eine bestimmte Branche spezialisiert sind, bewirken ein Wachstum dieser Branche im Zielland. Der statistische Einfluss der Geschäftsreisen ist dabei sogar der größte unter einer Reihe bilateraler Einflussfaktoren, wie Handel, ausländische Direktinvestitionen und Migration.

Die Autoren stellen fest, dass Geschäftsreisen zur Wissensverbreitung beitragen, welche dann wiederum das Wachstum befördert. Auf Grundlage ihrer Schätzungen untersuchen sie auch, welche Länder am meisten zur Wissensverbreitung durch globale Geschäftsreisen beitragen oder davon am meisten profitiert haben. Mit dem „Outgoing Knowhow Index“ (OKI) lässt sich abschätzen, wie groß der Einkommensverlust anderer Länder weltweit wäre, wenn ein Land seine Geschäftsreisetätigkeit vollständig einstellen würde.

Würde Deutschland seine Geschäftsreisetätigkeit vollständig einstellen, so ginge dies demnach mit einem globalen BIP-Verlust von 4,82% einher. Damit führt Deutschland die OKI-Rangliste an.

Dies zeigt aufs Neue, dass das Geschäftskonzept der deutschen Industrie nicht nur auf dem Export von Gütern fußt. Vielmehr exportieren die hiesigen Unternehmen auch ihr außerordentliches Knowhow in die Welt. Dies unterstützt die Partnerländer bei der Weiterentwicklung ihrer eigenen Stärken und führt damit zu erheblichen globalen Wachstumsgewinnen.

Diejenigen Länder, die prozentual gemessen am jeweiligen BIP am stärksten von Geschäftsreisenden aus Deutschland profitieren, haben die Autoren in einem Top-10 Ranking abgebildet:

1    Österreich
2    Südafrika
3    Schweiz
4    Nigeria
5    Tschechische Republik
6    Türkei
7    Zimbabwe
8    Italien
9    Polen
10  Ägypten

Bemerkenswert ist, dass sich mit Südafrika, Nigeria, Zimbabwe und Ägypten gleich vier afrikanische Länder unter den Hauptprofiteuren deutschen Knowhows befinden – eine Entwicklung, die der VDMA mit seiner Afrikainitiative seit Jahren aktiv unterstützt.

Auf ihrer Website haben die Autoren die Ergebnisse der Studie in einem interaktiven Tool aufbereitet.