Nachfrage nach Ingenieuren sinkt spürbar

shutterstock

Der Maschinenbau ist der größte Ingenieurarbeitgeber in Deutschland. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der Ingenieurinnen und Ingenieure stetig auf knapp 200.000 zugenommen. Bekommt diese Entwicklung nun erstmals Risse?

Im ersten Quartal 2020 ging die sonst verlässliche Arbeitskräftenachfrage nach Ingenieurinnen und Ingenieuren mit einem Minus von 14,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal bereits zurück, wie der VDI-/IW-Ingenieurmonitor zeigt. Die konjunkturelle Abkühlung führte auch auf dem Ingenieurarbeitsmarkt zu einer verminderten Dynamik. Während Bauingenieure und Ingenieure mit IT-Schnittstellenkompetenz weiterhin stark gefragt waren, sackte die Nachfrage nach Ingenieuren mit Zielberufen in der Automobilindustrie und dem Maschinenbau ab.

Im zweiten Quartal ist die Nachfrage nach Ingenieuren stark zurückgegangen, wie der Hays-Fachkräfte-Index für Ingenieure zeigt. Insgesamt ist der Index gegenüber dem Vorquartal um 32 Punkte auf 89 gesunken. Für die einzelnen Ingenieursberufe zeigt sich ein differenziertes Bild, Rückgänge liegen aber in allen Bereichen vor. Besonders stark sind die Nachfrageeinbrüche bei Automatisierungsingenieuren (-59 Punkte auf 96) und Versuchsingenieuren (-41 Punkte auf 66). Auch Maschinen- und Anlageningenieure (-27 Punkte auf 71) sowie Entwicklungsingenieure aus dem Maschinenbau sind stark betroffen (-28 Punkte auf 42), was im Hinblick auf die Innovationsstärke des deutschen Maschinenbaus besonders beunruhigend ist.

 

Digitale Geschäftsmodelle immer wichtiger

Frische Ideen kreativer Köpfe sind die Quelle der Innovationskraft des Maschinenbaus. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu wahren, sind exzellent ausgebildete Ingenieurinnen und Ingenieure unverzichtbar. Wie die Ergebnisse der letzten Ingenieurerhebung belegen, hat sich deren Anforderungsprofil in den vergangenen Jahren gewandelt. Gefragt sind vermehrt Fachkräfte mit Schnittstellenkompetenzen zu angrenzenden Fachbereichen, insbesondere zur Informatik. Die Zahl der Unternehmen, die auf der Suche nach Fachkräften mit Qualifikationen im Zusammenhang mit Industrie 4.0 waren, hat sich zwischen 2016 und 2019 auf 30 Prozent verdoppelt. Gut ausgebildetes Fachpersonal mit IT-Zusatzqualifikationen wurde also bereits in der Vor-Corona-Zeit händeringend gesucht und wird auch nach der Krise eine entscheidende Rolle spielen bei der Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen. Diese sehen die Maschinenbauer unter anderem in einem wachsenden (Preis-)Wettbewerb, der Mobilitätswende sowie dem Klimawandel. Digitale Geschäftsmodelle werden weiter an Bedeutung gewinnen.

 

Mehr Ingenieure für den Maschinenbau!

Nimmt die Arbeitsmarktdynamik wieder zu, müssen arbeitslos gewordene Ingenieurinnen und Ingenieure schnell wieder dem Arbeitsmarkt zugeführt werden. Ingenieursabsolventen müssen eine faire Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten, damit sie nicht in andere Berufsfelder abwandern, in denen sich ihnen bessere Perspektiven bieten. Und schließlich muss sichergestellt werden, dass Ingenieurinnen und Ingenieure die notwendigen Kompetenzen erwerben, damit der Maschinenbau im Wettlauf um die besten Lösungen von morgen weiterhin eine führende Rolle einnimmt.

 

weiterführende Informationen:

Der Hays- Fachkräfte-Index basiert auf einer quartalsweisen Auswertung der index Internet und Mediaforschung GmbH für Hays. Einbezogen werden Stellenanzeigen der meistfrequentierten Online-Jobbörsen, der Tageszeitungen und des Business-Netzwerks XING. Den Referenzwert von 100 bildet das 1. Quartal 2015. Aus Gründen der Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet. Sämtliche Positionsbezeichnungen gelten grundsätzlich für alle Geschlechter.

 

Quellen:

VDI-/IW-Ingenieurmonitor (2020/I)

VDMA Ingenieurerhebung (2019)

Hays Fachkräfte-Index Engineering (Q2/2020)

VDMA Corona-Blitzumfragen