USA: It’s the economy, stupid!

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Die USA sind offiziell in einer Rezession – wirkt sich dies auf die Präsidentschaftswahl aus?

Das Business Cycle Dating Committee des NBER hat am 8. Juni offiziell festgestellt, dass sich die USA seit März in einer Rezession befindet. Wie wirkt sich dies auf die Wiederwahlchancen von Präsident Trump aus? Oder allgemeiner gefragt: Welchen Einfluss hat die wirtschaftliche Lage auf die Chance eines amtierenden Präsidenten, eine zweite Amtsperiode zu erreichen?

Studien weisen darauf hin, dass die wirtschaftliche Lage einen signifikanten Einfluss auf die Wiederwahl eines Präsidenten hat. Allerdings sind auch andere Faktoren von Bedeutung. So hat etwa der amtierende Präsident einen Vorteil gegenüber seinem Herausforderer (den „Amtsbonus“), der groß genug sein kann, um die wirtschaftlichen Bedingungen zu überschatten.

Hinzu kommen andere psychologische Faktoren, die die Bedeutung der Fakten verwässern können. So wurde festgestellt, dass sich die Erwartungen der Wähler über die wirtschaftliche Entwicklung im Durchschnitt unterscheiden, je nachdem welcher Partei sie nahestehen. Beispielsweise waren unter Reagan, Busch und Trump die Republikaner optimistischer als die Demokraten. Unter der Obama-Administration war dies anders herum. Dazu kommt, dass diese „Erkenntnis-Differenz“ unter Trump besonders groß zu sein scheint. 

Trotz alledem zeigt die historische Evidenz, dass die wirtschaftliche Situation zumindest einen gewissen Einfluss hat, und dass eine schlechte wirtschaftliche Lage tendenziell dem amtierenden Präsidenten schadet. Dies wollen wir uns anhand der Präsidenten nach dem zweiten Weltkrieg einmal anschauen. Ohne Trump waren dies 12 Präsidenten. Von diesen traten 11 für eine zweite Amtsperiode zur Wahl an. Und von diesen wurden 3 nicht wiedergewählt (Gerald Ford, Jimmy Carter, George H.W. Bush). Und alle 3 hatten wirtschaftlich „schlechte Karten“:

Gerald Ford (Wahl 1976): Nach einer Rezession in 1974/75 herrschte noch hohe Arbeitslosigkeit und Inflation.

Jimmy Carter (Wahl 1980): Es herrschte Rezession, gestiegene Arbeitslosigkeit und sehr hohe Inflation.

George H.W. Bush (Wahl 1992): Nach der Rezession in 1990/91 wuchs zwar die Wirtschaft schon wieder, die Arbeitslosigkeit war aber noch nicht zurückgegangen.

Alle anderen Präsidenten hatten das Glück, in einer guten oder zumindest „ordentlichen“ bzw. sich verbessernden wirtschaftlichen Situation wiedergewählt zu werden.

Ein Blick auf die aktuelle Lage zeigt für den amtierenden Präsidenten hingegen nicht die besten wirtschaftlichen Bedingungen:

Donald Trump (Wahl 2020): Es liegt eine Rezession vor, die Arbeitslosigkeit ist auf einem Höchststand.

Insofern ist dies kein gutes Omen für den amtierenden Präsidenten. Wichtig ist aber letztendlich auch, wie schnell sich die Lage wieder verbessert und natürlich, wie die Politik der Krisenbekämpfung beurteilt wird. Bleibt abzuwarten, welche Faktoren überwiegen.

 

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