Investitionen: Positiver Blick auf 2021

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Nach dem starken Einbruch der Ausrüstungsinvestitionen in diesem Jahr erwartet die EU-Kommission für viele EU-Länder im kommenden Jahr zweistellige Zuwachsraten.

Infolge der globalen Corona-Pandemie geht die Wirtschaftsleistung weltweit in diesem Jahr in beispiellosem Ausmaß zurück. Auch wenn der Wirtschaftseinbruch nicht so tief ausfallen dürfte wie zunächst befürchtet, der Rückgang wird dennoch größer als während der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2009 sein. Anfang September prognostizierte das britische Institut Oxford Economics im Basis-Szenario einen globalen Wirtschaftseinbruch von 4,3 Prozent. Für die EU-27 dürfte der Einbruch mit 7,5 Prozent drastischer ausfallen. Die industriellen Kapazitäten sind in der Unterauslastung. Im EU-Durchschnitt waren sie im Juli 2020 nur zu 74 Prozent ausgelastet, gleichwohl ist das mehr als im April, wo der durchschnittliche Auslastungsgrad lediglich 67,8 Prozent betrug.

 

Wenn industrielle Kapazitäten nicht ausgelastet sind, gibt es folglich eine verminderte Notwendigkeit zu investieren. Es sei denn, es stehend zwingende Ersatzinvestitionen an oder die Zeit der Unterauslastung wird für Rationalisierungsinvestitionen genutzt. Letzteres dauert allerdings eine gewisse Zeit, bis es sich dann in Form von Aufträgen bei den Investitionsgüterherstellern zeigt.

Fest steht, dass die Corona-Pandemie zu einer großen Verunsicherung bei den Investoren hinsichtlich der weiteren Perspektiven geführt hat, die sich in einer starken Zurückhaltung bei den Ausrüstungsinvestitionen zeigen. Für das Jahr 2020 sagt die EU-Kommission für die Mitgliedsstaaten der EU-27 einen Einbruch der Ausrüstungsinvestitionen um preisbereinigt rund 20 Prozent vorher. Dabei handelt es sich bei den Ausrüstungen laut Definition nicht nur um Maschinen, sondern auch um Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) sowie Unternehmensinvestitionen in Fahrzeuge. Spanien dürfte mit minus 23 Prozent unter den großen EU-Volkswirtschaften den höchsten Rückgang verzeichnen. Für das Jahr 2021 wird mit plus 14 Prozent eine starke Erholung der Investitionstätigkeit im europäischen Binnenmarkt prognostiziert. 

 

 

Die Stimmungsumfragen der EU-Länder zeigen seit dem Tiefpunkt im April eine teilweise rasante Stimmungsverbesserung in den industriellen Unternehmen, die zuletzt leicht an Tempo eingebüßt hat. Ein Großteil dieser Verbesserung basiert allerding auf den zukünftigen Produktionserwartungen, während die aktuelle Auftragsbestandsbeurteilung sich nur zögerlich erholt. Dennoch: die aktuellen Anstiege bei Auftragseingängen und Produktion sind für die Unternehmen ein wichtiger Schritt aus dem Pandemie-Tal.  

Der globale Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe erholte sich im August auf 51,8 Indexpunkte, nach 50,6 im Juli. Die besten Ergebnisse gab es bei den Teilindizes Zukünftige Produktion, Produktion sowie Auftragseingang mit Werten zwischen 60,8 und 52,8 Indexpunkten. Umfrageergebnisse unter dem Wachstumsschwellwert von 50 wurden für die Exportaufträge (49,9) sowie die Beschäftigung (48,6) berichtet. 

 

 

Im ersten Halbjahr ist die Produktion im EU-Maschinenbau preisbereinigt um durchschnittlich 16 Prozent geschrumpft. Für das Gesamtjahr 2020 prognostiziert Oxford Economics in seinem Basis-Szenario einen Rückgang von 12 Prozent. Für das kommende Jahr wird ein Zuwachs von 10 Prozent erwartet. Voraussetzung für ein zweistelligen Wachstum ist, dass sich bei den Investoren in den nächsten Monaten die Zuversicht bezüglich ihrer zukünftigen Geschäftstätigkeit ausweitet. Allerdings ist die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie nach wie vor hoch, insbesondere mit Blick auf die Wintermonate auf der Nordhalbkugel. Neben Covid-19 sind Handelskonflikte, Protektionismus, die US-Präsidentenwahl im November sowie diverse politische Spannungen Abwärtsrisiken im gegenwärtigen Konjunkturumfeld. Sobald der Aufschwung nachhaltig erscheint, sollten wir eine stärkere Nachfrage nach Investitionen und Ausgaben für Maschinen und Ausrüstung sehen.

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