Coronavirus belastet chinesischen Maschinenbau massiv

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Die wirtschaftliche Situation in China hat sich in den letzten Wochen zwar erheblich verbessert, von einer Normalauslastung in der chinesischen Industrie kann aber trotzdem noch keine Rede sein.

Der Umsatz im chinesischen Maschinenbau lag im Zeitraum Januar bis Februar 2020 vor allem wegen des Shutdowns aufgrund des Coronavirus knapp 25 Prozent unter Vorjahresniveau. Das Minus in der Automobilindustrie fällt mit 31 Prozent noch deutlicher aus, für die Elektronikindustrie steht ein Umsatzrückgang von knapp 15 Prozent in den Büchern. Unterstellt man für den Januar eine Normalauslastung, wird deutlich, wie schlecht der Februar gewesen sein muss. Zur Information: Nahezu alle Wirtschaftsindikatoren Chinas werden – wie gewohnt – auf einer gemeinsamen Januar-Februar-Basis veröffentlicht, um die Auswirkungen des Chinesischen Neujahrsfestes zu glätten.

 

 

Umsatzrückgang von bis zu 25 Prozent im ersten Quartal

Die Konjunkturdaten der chinesischen Industrie für den März dürften im Vergleich zum Februar weitaus positiver ausfallen, sich aber im Vergleich zum Zeitraum Januar bis Februar wahrscheinlich nicht wesentlich verbessern. Insofern rechnen die VDMA-Volkswirte im chinesischen Maschinenbau mit einem Umsatzrückgang von 20 bis 25 Prozent im ersten Quartal 2020 im Vorjahresvergleich.

Die Frühindikatoren deuten eine schnellere Erholung in der chinesischen Industrie an, als sie nach der globalen Finanzkrise von 2008 zu beobachten war. Damals brauchten die chinesischen Einkaufsmanagerindices (PMI) vier bzw. fünf Monate, um nach dem Tiefststand im November 2008 wieder über einen Wert von 50 Indexpunkten zu steigen (Siehe Grafik 2 und 3). Ein Wert über 50 bedeutet, dass die Mehrheit der befragten Unternehmen eine anziehende Wirtschaftsaktivität im Vergleich zum Vormonat spüren.

 

 

Die Einkaufsmanagerindizes der chinesischen Industrie für den Monat März erreichten Werte von über 50 Indexpunkten. Insofern spiegelt der Index – wenig überraschend – eine anziehende Wirtschaftsaktivität im Vergleich zum historisch schwachen Vormonat Februar wider. Allerdings deutet der Wert nicht darauf hin, dass das Vorkrisenniveau wiedererreicht wurde. Dazu wäre ein Wert von deutlich über 50 Indexpunkten nötig.

 

 

Probleme verlagern sich auf die Nachfrageseite

Das produzierende Gewerbe in China, u. a. auch der dortige Maschinenbau, sind nicht mehr so stark von angebotsseitigen Problemen wie Betriebsschließungen oder Arbeitskräftemangel betroffen. Vielmehr wird die schwache Nachfrage aus dem Ausland, insbesondere aus Europa und den USA, zum Problem. Solange die Epidemien in anderen Ländern nicht unter Kontrolle sind und weiterhin Shutdowns bestehen, wird dieses Problem auch weiterhin bestehen. Der Maschinenbau am Standort China exportierte im Jahr 2019 Waren im Wert von knapp 166 Milliarden Euro. Zwar ist der chinesische Maschinenbau bei weitem nicht so exportorientiert wie der deutsche Maschinenbau, doch immerhin jede fünfte in China hergestellte Maschine ist für den Export bestimmt. Hauptabnehmer sind Länder in Südostasien, Nordamerika und der Europäischen Union. Die stärksten Exportzweige aus dem chinesischen Maschinenbau sind die Allgemeine Lufttechnik, Armaturen und Baumaschinen. In unserer Statistikdatenbank finden Sie chinesische Export- und Importdaten auf detaillierter Ebene (8-stelliger Zolltarifnummer des chinesischen Zolls).

Interessant ist der Blick auf den Teilindikator Auftragseingang in der chinesischen Einkaufsmanagerbefragung, denn er zeigt die Diskrepanz in der Nachfrageentwicklung aus dem In- und Ausland. Der Auftragseingangsindex für die Exporte verbesserte sich zwar mit 46,4 Prozentpunkten gegenüber dem Februarwert, allerdings liegt der Wert weiterhin im negativen Bereich und signalisiert damit weiterhin eine Verschlechterung der Auftragseingänge für den Export. Der gesamte Auftragseingangsindex für den März erreichte einen positiven Wert von 52 Prozentpunkten und deutet damit auf eine anziehende Dynamik der inländischen Auftragseingänge im Vergleich zum Februar hin.

 

 

Deutliche Verbesserung voraussichtlich erst ab Jahresmitte

Unter dem Strich ist keine sofortige Rückkehr auf den mittelfristigen Wachstumspfad zu erwarten, obgleich sich die Konjunktur im chinesischen Maschinenbau – vor allem aufgrund der Inlandsnachfrage – weiter verbessern sollte. Insofern ist für den Maschinenbau in China ein „U-Szenario“ (Stand Anfang April) derzeit wahrscheinlicher als ein „V-Szenario“. Beide Szenarien sind in Grafik 5 und 6 abgebildet. Grundannahme ist eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 5 Prozent im Zeitraum 2018 bis 2022. Bitte beachten Sie, dass die Vorhersage von vierteljährlichen Wachstumsraten für Industriesektoren, insbesondere in Zeiten wie diesen, mit großen Unsicherheiten behaftet ist.

 

 

 

Ende April sind die Quartalszahlen für Q1 2020 verfügbar. Kurze Zeit später veröffentlichen wir exklusiv für VDMA-Mitglieder den Quartalsbericht „Mechanical Engineering in China at a Glance“. Bei Interesse melden Sie sich bei Herrn Benedict Jeske, benedict.jeske(at)vdma.org, +49 69 66031389. Den letzten Quartalsbericht finden Sie hier.