Baltic Dry Index – Frühindikator für den Welthandel

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Derzeit notiert der Indikator 75 Prozent unter dem Höchststand vom September 2019.

Den tiefsten Stand hatte er am 10. Februar 2020 erreicht. An dem Tag verfehlte er den Höchststand vom September sogar um 83 Prozent. Einen vergleichbaren Rückgang innerhalb so kurzer Zeit hatte es das letzte Mal während der Finanzkrise im Jahr 2009 gegeben. Vergleicht man den Tiefststand vom Februar mit dem aktuellen Wert vom 18. März 2020, so ist der BDI bereits wieder um mehr als 50 Prozent gestiegen.

Zunächst hatte vor allem der Handelskonflikt zwischen den USA und China den Rückgang verursacht. Dann zeichnete aber die Ausbreitung des Coronavirus in China die Bremsspur, denn in China waren viele Unternehmen auf staatliche Anordnung geschlossen worden. 

Der Baltic Dry Index (BDI) wird auf der Basis von 26 Hauptschifffahrtsrouten gebildet und erfasst die Kosten im Trockenschüttgutverkehr. Hauptfrachtgüter sind Kohle, Eisenerz, Zement, Kupfer, Kies, Dünger, Kunststoffgranulat und Getreide. Der Index wird börsentäglich von der Baltic Exchange in London veröffentlicht.

Zwischen der weltweiten Rohstoffnachfrage und den ausgehandelten Frachtraten, die die Basis für den Baltic Dry Index bilden, besteht ein enger Zusammenhang. In konjunkturellen Hochphasen werden üblicherweise mehr Rohstoffe über die Weltmeere verschifft, was folglich zu einem Anstieg der Frachtraten führt. In Schwächephasen werden deutlich weniger Rohstoffe verschifft und der BDI entwickelt sich rückläufig. Da die Rohstoffe ganz am Beginn der Verarbeitungskette stehen, läuft der BDI der realwirtschaftlichen Entwicklung voraus und ist ein sogenannte Frühindikator. Allerdings basiert er nicht nur auf der Nachfrage nach dem weltweiten Transport von Rohstoffen, sondern auch auf dem Angebot der Reeder. Dieser Faktor hat die Aussagekraft des BDI in den vergangenen Jahren eingeschränkt. Denn durch eine Ausweitung der Schifffahrtskapazitäten kam es nach der Finanzkrise zu deutlichen Überkapazitäten, was die Preise und damit den BDI gedrückt hat. Außerdem hat die Bedeutung der Rohstoffe, die im Trockenschüttgutverkehr verschifft werden, für die gesamte Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Das betrifft zum Beispiel den Rohstoff Kohle. Immer mehr Waren werden zudem im Containerverkehr befördert, was im BDI nicht abgebildet ist.

Dennoch: Der Rückgang des BDI ist ein Warnsignal für die Weltkonjunktur. Als einer der wenigen Frühindikatoren liegt er täglich aktuell vor. Gerade jetzt in der Corona-Krise wo sich die Lage täglich, ja fast stündlich ändert, und die Halbwertzeit von Prognosen kurz ist, ist dieser Indikator hilfreich.

Anregungen zur Arbeit mit konjunkturellen Frühindikatoren im Maschinenbau finden Sie hier

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