Italien: Eng verzahnt mit Deutschland

Nach Baden-Württemberg und Bayern sind Emilia-Romagna sowie die anderen Regionen in Norditalien Spitzenstandorte des europäischen Maschinenbaus.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus hat die italienische Regierung am 9. März 2020 die Bewegungsfreiheit in Italien bis zum 3. April 2020 stark eingeschränkt. Das galt schon einige Tage zuvor für einige Gebiete in der Lombardei und Venetien, außerdem für den Norden der Emilia-Romagna und den Osten des Piemonts. Norditalien ist das industrielle Zentrum Italiens. In allen vier Regionen sind zahlreiche Maschinenbauer angesiedelt. So sind in Emilia-Romagna im Durchschnitt 23 von 1000 Einwohnern im Maschinenbau beschäftigt. In Veneto 16, in Friuli-Venezia Giulia 14 und in der Lombardei sowie dem Piemont jeweils 13 von 1000, während der Durchschnitt für das gesamte Land bei 8 liegt. (Zum Vergleich: In Deutschland sind zum Beispiel in Baden-Württemberg durchschnittlich 32 von 1000 Einwohnern im Maschinenbau beschäftigt, in Bayern sind es im Durchschnitt 20 –> Tabelle mit regionalen Daten, die zum Download auf dieser Seite bereitsteht.)

Seit Jahren sind die Lieferketten von Italien und Deutschland im Maschinenbau eng verzahnt. Italien ist nicht nur der viertwichtigste Abnehmer deutscher Maschinen. Auf der Importseite ist die Bedeutung des Landes noch größer: 2019 war es mit 6,9 Milliarden Euro Deutschlands zweitwichtigster ausländischer Lieferant von Maschinen, Anlagen, Komponenten und Teilen - nach China.

Bei einer Blitz-Umfrage der Deutsch-Italienischen Handelskammer wurde die derzeit große Unsicherheit bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung deutlich aber auch die Erwartungen an die Politik. Die Ausbreitung des Coronavirus hat bereits Folgen für die Logistik, bei der Beschaffung und hinsichtlich der Verfügbarkeit von Personal. Allerdings äußerten sich die Unternehmen vorsichtig zuversichtlich über eine baldige Geschäftserholung. Interessant sind die regionalen Unterschiede, allerdings wurde die Umfrage vor dem 9. März 2020 durchgeführt.

Im Jahr 2019 wurden von italienischen Maschinenbauern Waren im Wert von geschätzt 127 Milliarden Euro Umsatz ausgeliefert. Das sind nominal rund 1 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon wurden fast 62 Prozent im Ausland verkauft. Das Importvolumen Italiens betrug gut 28 Milliarden Euro. Fast 30 Prozent davon kamen aus Deutschland. Mit einem Marktvolumen von rund 76 Milliarden Euro ist Italien schon seit einigen Jahren der sechstgrößte Maschinenmarkt weltweit.

Im vergangenen Jahr schrumpfte die Maschinenproduktion in Italien um preisbereinigt rund 3 Prozent - trotz der wieder in Kraft gesetzten, verbesserten steuerlichen Abschreibebedingungen. Denn die Nachfrage nach Investitionsgütern war nach den hohen Investitionen der vergangenen Jahre und angesichts des schwachen Inlandsmarktes sowie der internationalen Unwägbarkeiten zuletzt verhalten.

Die gesamtwirtschaftlichen Wachstumsprognosen waren schon vor dem Ausbruch des Coronavirus bescheiden. Die EU-Kommission prognostizierte im Februar ein mageres Plus von 0,3 Prozent für das Jahr 2020. Das wäre minimal besser als die 0,2 Prozent aus dem Vorjahr. Realistischer scheint die Anfang März von den Deka-Volkswirten veröffentlichte Prognose, die ein Minus von 0,6 Prozent vorsieht. Mit Blick auf die aktuell schwierige Situation könnte es sogar noch schlechter laufen.

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