Südafrika: Euphorie im Schatten der Stagnation

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Der frischgebackene Rugby-Weltmeister hat kürzlich eine Herabstufung durch die Ratingagentur Moody’s erfahren. Die Hintergründe sind ein herausfordernder Mix aus strukturellen Arbeits-marktproblemen, schwachen Investitionen, hoher Staatsverschuldung und niedrigem Wachstum.

Das Rugby-Team der Republik Südafrika hat im November 2019 zum dritten Mal den Weltmeistertitel erlangt und damit die ganze Nation in Euphorie versetzt. Überschattet wird dieser Erfolg von einer zeitgleichen Herabstufung des Landes durch die Ratingagentur Moody’s. Diese änderte jüngst den Ausblick auf die Ratings der südafrikanischen Regierung von stabil auf negativ. Die Agentur zeigt sich pessimistisch, dass es der Staatsregierung gelingen wird, notwendige Reformen durchzusetzen, um den Haushalt zu konsolidieren und gleichzeitig Wachstumspotentiale des Landes zu fördern. Werfen wir einen Blick auf die strukturellen und konjunkturellen Hintergründe.

 

Arbeitsmarkt

Südafrika kämpft seit langem mit einer strukturell hohen Arbeitslosigkeit von über 20 Prozent. Im dritten Quartal 2019 hat die Arbeitslosigkeit nach offiziellen Angaben ihr Langzeithoch von 29 Prozent erreicht; gleichzeitig leidet die südafrikanische Ökonomie unter einer Stagnation der Arbeitsproduktivität, aufgrund derer den Unternehmen des produzierenden Gewerbes wichtige Anreize zur Ausweitung ihrer Beschäftigung fehlen. Dies stellt ein deutliches Wachstumshemmnis für das Land dar.

Der GINI-Index – ein Maß für die Ungleichheit der Einkommensverteilung – betrug für Südafrika laut Weltbank zuletzt 63,0 (in 2014). Dieser Wert bedeutet die höchste Einkommensungleichheit unter den 162 Ländern der Erhebung, und damit eine der höchsten weltweit. Einflussreiche Interessenvertreter sind in der Lage, wichtige Bestrebungen der Regierung zu Strukturreformen zu blockieren, um den Satus Quo zu erhalten.

Investitionen

Die gesamten realen Bruttoanlageinvestitionen sind seit dem zweiten Quartal 2018 rückläufig gegenüber dem jeweiligen Vorjahreszeitraum, mit einem jüngst leichten Plus bei den Investitionen in Maschinen und Anlagen. Die allgemeine Investitionszurückhaltung ist durch mäßige Geschäftsaussichten im produzierenden Gewerbe und eine hohe Planungsunsicherheit erklärbar. Zwar gibt es Regierungsinitiativen zur Bekämpfung der Investitionszurückhaltung, jedoch haben diese bislang nicht den gewünschten Erfolg erzielen können.

Insbesondere bemängelt Moody’s, dass bestehende Arbeitsmarktinitiativen nicht tief genug greifen und daher praktisch unwirksam sind. Die umstrittene „Empowerment Charta“ für den Bergbau werde derzeit durch regulatorische Unsicherheit aufgrund laufender Berufungsverfahren gegen einige enthaltene Regelungen gebremst. Zudem generiere die angestrebte Bodenreform des Landes ein Spannungsfeld zwischen dem politischen Ziel der Landrückgabe (auch durch Enteignung ohne Kompensation) und dem Vertrauenserhalt bei den Investoren.

Wachstum

Die mittelfristige Wachstumsprognose der Ratingagentur für das Jahr 2020 wurde von ursprünglich 2,5 bis 3 Prozent auf 1 bis 1,5 Prozent revidiert und entspricht somit nunmehr gerade dem südafrikanischen Bevölkerungswachstum. Wächst die Bevölkerung stärker als das preisbereinigte (reale) Bruttoinlandsprodukt, sinkt das Pro-Kopf-Einkommen, das heißt der Wohlstand nimmt ab. Das niedrige Wirtschaftswachstum verschärft die fiskalische Haushaltslage; die Gesamtschulden sind stärker gestiegen als vor einem Jahr erwartet.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Wachstumsrate des nominalen Bruttoinlandsprodukts Südafrikas geringer als die Verzinsungsrate seiner Staatsschulden ist. Damit wird der Schuldenstand im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt auch weiterhin automatisch steigen, sofern die südafrikanische Regierung es nicht schafft, sehr große Primärsalden zu erwirtschaften. Hierzu wären drastische Kürzungen bei den Staatsausgaben, beziehungsweise eine entsprechende Erhöhung der Steuereinnahmen, erforderlich.

Exporte

Als „Tor zu Afrika“ (Jacob Zuma, 2012) bindet Südafrika zahlreiche andere Länder auf dem Kontinent an den Welthandel an. Für Maschinenexporteure aus Deutschland ist die Republik das wichtigste Bestimmungsland Afrikas. Im Jahr 2018 betrug die deutsche Maschinenausfuhr nach Südafrika 1,2 Mrd. Euro. Dies entspricht 0,7 Prozent der gesamten Maschinenausfuhr Deutschlands. Die Entwicklung der deutschen Maschinenexporte nach Südafrika ist jedoch seit 2016 rückläufig.

Literatur

https://www.moodys.com/research/Moodys-changes-South-Africas-outlook-to-negative-from-stable-affirms--PR_412385

 

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