Britischer Maschinenbau trotz Brexit im Aufwind

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Seit dem Brexit-Votum im Juni 2016 hat das britische Pfund gegenüber dem Euro rund 11 Prozent an Wert verloren. Die dadurch gewonnene preisliche Wettbewerbsfähigkeit hat den Produktionsstandort Großbritannien gestärkt.

Der britische Maschinenbau ist weiter auf Wachstumskurs. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 wuchs der Produktionsausstoß um 9,5 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Jahr zuvor hatten die britischen Maschinenbauer ihre Produktion bereits um 8 Prozent erhöht. Der britische Maschinenbau hat sich auf Verbrennungsmotoren und Turbinen, Bau- und Baustoffmaschinen, Fördertechnik sowie Allgemeine Lufttechnik spezialisiert. Bei den beiden erstgenannten ist die Wertschöpfungsquote niedrig. Hier - aber auch in anderen Bereichen - ist der Produktionsstandort UK stark in die internationale Arbeitsteilung eingebunden.

Zweifelsohne hat die produzierende Industrie auf der Insel durch das schwache Pfund Sterling an preislicher Wettbewerbsfähigkeit dazugewonnen. Und so ist die Stimmung in den Industrieunternehmen in Großbritannien trotz der gestiegenen Importpreise seit August 2016 durchgängig gut. Mit 54,0 Zählern notierte der Einkaufsmanagerindex im Juli 2018 allerdings merklich unter den 58,2, die er im November 2017 erreicht hatte. Das stärkste Wachstum sowohl bei der Produktion als auch beim Auftragseingang war im Juli laut IHS Markit bei den Investitionsgüterherstellern zu verzeichnen. Dagegen ging die Produktion von Vorleistungsgütern erstmals seit zwei Jahren zurück, da sich das Expansionstempo im Neugeschäft stark verlangsamte und nahezu stagnierte.

Am aktuellen Rand hat der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe die Seitwärtsbewegung eingeschlagen und die Frage ist, ob sich die Stimmung in den nächsten Monaten weiter im expansiven Bereich halten kann. Denn der formelle Brexit Ende März 2019 rückt näher und derzeit wird ein No-Deal-Brexit für möglicher denn je gehalten. Diese Unsicherheit belastet den Ausblick.

Jenseits dessen kann bereits jetzt festgestellt werden, dass sich das Wachstum in der Maschinenproduktion zwar noch ein paar Monate fortsetzten dürfte, die Zuwachsraten werden aber kleiner.  Denn nachdem die Branche im Zeitraum Oktober 2017 bis April 2018 Monat für Monat im Vorjahresvergleich zweistellig zugelegt hatte, bewegen sich die Plusraten am aktuellen Rand im mittleren einstelligen Bereich. Auch in den nächsten Monaten dürfte sich das Wachstum abgeschwächt fortsetzen, da der Produktionsausstoß in der zweiten Jahreshälfte 2017 bereits höher war als in der ersten. Folglich werden die kommenden Monatswerte auf höhere Basiswerte treffen als das bislang der Fall war.

Auch hier spielt natürlich der Wechselkurs eine Rolle. Denn der Wechselkurseffekt, der zunächst die Produktion puschte und zu einem höheren Niveau verhalf, läuft nun aus. Lediglich eine zunehmende Nachfragedynamik könnte den Output noch weiter erhöhen. Da die Weltkonjunktur den konjunkturellen Höhepunkt aber bereits überschritten hat, sind keine zusätzlichen Wachstumsimpulse zu erwarten.  Der Umsatz der britischen Maschinenbauer dürfte daher auf Jahressicht preisbereinigt nur um rund 4 Prozent erhöht werden. 

Deutsche Lieferungen nach Großbritannien schrumpfen

Für die deutschen Maschinenbauer war das Vereinigte Königreich bis 2017 der viertwichtigste Exportmarkt. Die Branche lieferte 2017 Maschinen und Anlagen im Wert von 7,3 Milliarden Euro dorthin. Das entspricht einem Anteil von 4,3 Prozent an den deutschen Maschinenexporten. Wertmäßig in Euro betrachtet sind das 2 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Die wichtigsten Fachzweige sind:

 

In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres setzte sich die rückläufige Entwicklung mit minus 2 Prozent fort, so dass Großbritannien nun auf Platz 5 im Ranking der wichtigsten Exportmärkte abgerutscht ist. Ganz anders das Bild auf der Importseite: Sowohl 2017 als auch in den ersten fünf Monaten wurden mehr Maschinen aus Großbritannien importiert (jeweils plus 4 Prozent). Mit einem Importvolumen von 2,6 Mrd. Euro, was einem Anteil von 3,7 Prozent am Gesamtimport entspricht, liegt das Vereinigte Königreich auf Platz elf im Länderranking.

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Anke Uhlig
VDMA Volkswirtschaft und Statistik
Telefon +49 69 6603-1388

 

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