VDMA-Projekt zur Quantifizierung der deutschen Maschinenbautöchter im Ausland

Der deutsche Maschinenbau ist nicht nur exportstark, sondern auch in vielen Ländern mit eigenen Töchtern aktiv. Die Aktivität dieser kann nicht durch amtliche Datenquellen erfasst werden. Deshalb hat die Abteilung Volkswirtschaft und Statistik ein eigenes Projekt gestartet.

Im Zeitalter der Digitalisierung und Globalisierung hat die Bedeutung und Komplexität der internationalen Unternehmensverflechtung zu genommen. Export- und Importzahlen alleine reichen nicht mehr aus, um die Intensivierung der globalen Verflechtung abzudecken. Wünschenswert wäre eine Erfassung der Auslandstöchter und deren Aktivität am jeweiligen Standort. Amtlichen Datenquellen liefern diesbezüglich keine aussagekräftigen Daten für den Maschinenbau. Daher ist die Abteilung Volkswirtschaft und Statistik des VDMAs darum bemüht mithilfe eines externen Datenanbieters eine eigene Statistik zu erstellen und auszuwerten.

Direktinvestitionsstatistik

Oft wird als Erstes die Direktinvestitionsstatistik zu Rate gezogen, um die ausländische Verflechtung zu analysieren. Diese wird regelmäßig von der Deutschen Bundesbank erfasst und vom VDMA für den Maschinenbau ausgewertet (die aktuelle Publikation ist hier zu finden). Zu entnehmen ist, dass im Jahr 2016 aus Deutschland 39 Mrd. EUR in den ausländischen Maschinenbau geflossen sind. Leider bleibt offen, welchem Wirtschaftszweig die deutschen Kapitalgeber zugehören. Eine Auswertung nach dem Wirtschaftszweig, also der Branchenzugehörigkeit der Kapitalgeber und -empfänger würde zu einem Erkenntnisgewinn führen. Immerhin konnte diese Auswertung im vergangenen Jahr um eine Aufteilung nach Sitzländern der Konzernspitze erweitert werden, welche offenbart, dass einige Länder vornehmlich als Standort für die lediglich finanziell-administrativ tätige Holdinggesellschaft eines Unternehmens genutzt werden. Anzumerken ist noch, dass eine Abschneidegrenze bezüglich der Unternehmen vorgenommen wird. Es werden alle Beteiligungen ab 10 % des Grundkapitals erfasst, wenn das Unternehmen eine Bilanzgröße von mehr als 3 Mio. EUR aufweist. Somit liefert die Direktinvestitionsstatistik nicht alle gewünschten Informationen zu den globalen Unternehmensverflechtungen im Detail.

 

Problematik der amtlichen Statistiken

Die Statistiken über Auslandstöchter (Foreign Affiliates Statistics - FATS) sind eine reine Sekundärstatistik, die auf europäischer Ebene von Eurostat zusammengeführt wird. Mit der Erstellung der FATS sind zwei Institutionen in Deutschland beschäftigt, was zu einem uneinheitlichen Bild führt. Die Inward-FATS vom Statistischen Bundesamt erfasst die Tätigkeiten von auslandskontrollierten Unternehmen im eigenen Land, hier Deutschland. Weil aber alle nationalen Statistischen Ämter in Europa der europäischen Statistikbehörde Eurostat ihre jeweilige Inward-FATS liefern, können für Deutschland die deutschkontrollierten Maschinenbauer in den europäischen Ländern spiegelbildlich erfasst werden. Die Outward-FATS der Deutschen Bundesbank wiederum, welche sich an den obengenannten Direktinvestitionen orientiert, erfasst die von inländischen Investoren kontrollierten Tochterunternehmen im Ausland. Anzumerken ist noch, dass die FATS nur Töchter erfasst, die eine Mehrheitsbeteiligung eines ausländischen Investors aufweisen. Dies bedeutet für die Outward FATS, dass nur eine Teilmenge der Unternehmen aus der Direktinvestitionsstatistik aufgenommen wird. Konsequenterweise sollten die Inward und Outward FATS für die EU ein ähnliches Ergebnis liefern, bzw. sich zumindest ergänzen und die Globalisierungsintensität weitgehend widerspruchsfrei aufzeigen. Folgende Tabelle zeigt jedoch die Diskrepanzen zwischen beiden Statistiken bei Betrachtung der deutschkontrollierten Tochterunternehmen im Maschinenbau. Besonderes Augenmerk sei hier auf die unterschiedlichen Angaben für das Aggregat EU28 gelenkt.

Der Grund für die Differenzen sind die unterschiedlich verwendeten Methodiken. Die Abschneidegrenze für die Outward-FATS der Bundesbank liegt bei einer Bilanzsumme von 3 Mio. EUR, wohingegen die Inward-FATS der Statistischen Ämter alle registrierten Unternehmen aus dem Unternehmensregister erfasst. Problematisch ist außerdem die unterschiedlich regionale Abdeckung, denn die Inward-FATS erfasst nur die europäischen Länder, die Outward-FATS hingegen alle außereuropäischen Länder. Zusätzlich wird zwar nach WZ2008 unterteilt, jedoch entweder für den Mutterkonzern oder den Tochterkonzern, nicht aber für beide. Die Frage, wie viel deutsche Maschinenbauer im ausländischen Maschinenbau weltweit investieren, lässt sich so also nicht schlüssig beantworten.  

 

VDMA-Projekt Ziel

Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt „Internationale Verflechtung des Maschinenbaus“ beauftragt. Projektziel ist es, valide, aggregierte Informationen bezüglich der Auslandstöchter (nach der Definition der FATS) mit Standortangabe, Tätigkeitsschwerpunkt, Zahl der Beschäftigten und den Umsatz zu gewinnen. Unter Zuhilfenahme der Datenbank Orbis von Bureau van Dijk, einem externen Datenanbieter mit weltweiten Unternehmensinformationen, werden gegenwärtig erste Auswertungen gemacht. In der methodischen Vorbereitung geht es u.a. um Fragen der Abschneidegrenzen, Beteiligungsverhältnisse und Branchen.

 

Datenvorbereitung

Die Datenbank bietet einen umfassenden Blick über die Beteiligungsstrukturen von Unternehmen. Die ersten Schritte innerhalb der Datenbank sind vergleichsweise intuitiv und liefern einen vielversprechenden, informativen ersten Einblick. Jedoch, wenn die Datenverarbeitung, -aggregation und anschließende -auswertung ansteht wird deutlich, dass einige Bearbeitungen vorgenommen werden müssen um ein valide Statistik zu erhalten.

Die Verflechtung von Unternehmen beginnt häufig bereits im Inland. Soll heißen, dass bei der Suche nach deutschen Maschinenbaumüttern nicht ausländische Beteiligungen, sondern auch deutsche Töchter ausgegeben werden. Sind diese deutschen Töchter auch Maschinenbauer, so werden die ausländischen Töchter mehrfach erfasst. Dies birgt demnach die Gefahr, dass wegen Duplikaten die Anzahl der Töchter im Ausland überschätzt wird. Folgende Grafik veranschaulicht die angesprochene Thematik.

Grafik: Unternehmensverflechtung im In- und Ausland, eigene Darstellung.

 

Das Unternehmen 4 wird in der Datenbank als Tochter auf der ersten Ebene von Unternehmen 3 und auf der zweiten Ebene von Unternehmen 1 aufgeführt. Damit wird das Bild der Auslandstöchter verzerrt. Um diese Problematik zu lösen, wird nach der nächstgelegenen deutschen Mutter geschaut und so das Unternehmen streng hierarchisch gruppiert. Dementsprechend gibt es in unserem Beispiel zwei deutsche Mütter, die jeweils eine Tochter im Ausland haben.

Ausblick

Momentan werden von 1000 Maschinenbauunternehmen die Töchterunternehmen, welche in über 100 Ländern vertreten sind, nach Länderaggregaten ausgewertet. Insgesamt sind, so ein erstes Ergebnis, mehr als 70 % aller bisher erfassten deutschen Töchter in Europa verortet. Darüber hinaus werden die Töchter in verschiedene Branchen unterteilt, sodass festgestellt werden kann, wie viel Produktion, Finanzdienstleistung oder Handel im Ausland angesiedelt ist. Die Vermutung, dass Produktionsstätten überwiegend im osteuropäischen Raum vorhanden sind, scheint sich, so ein weiteres Ergebnis, zu bestätigen. Im nächsten Schritt soll bei einer ausreichenden Anzahl an Unternehmen, eine Auswertung auf Ebene der Teilbranchen, also nach der Zugehörigkeit zu VDMA Fachzweige erfolgen. Neben der zunächst einmaligen strukturellen Analyse ist geplant, diese Auswertungen in möglichst regelmäßigen Abständen zu wiederholen, um strukturelle Verschiebungen zu dokumentieren, aber auch, um den Blick bspw. in der Konjunkturbeobachtung noch stärker als bisher auf die Länder mit einem ausgeprägten Engagement der Maschinenbauunternehmen zu richten. Eine Verknüpfung mit den VDMA Außenhandelsdaten könnte ebenfalls weitere Erkenntnisse liefern.

" Insgesamt sind, so ein erstes Ergebnis, 70 % aller bisher erfassten deutschen Töchter in Europa verortet."