EU und Japan unterzeichnen Wirtschaftspartnerschaftsabkommen

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Das Abkommen dient der Beseitigung tarifärer und nicht-tarifärer Handelshemmnisse zwischen der EU und Japan und sendet zugleich ein starkes Signal, dass zwei der größten Volkswirtschaften Protektionismus ablehnen.

Die EU und Japan haben auf ihrem Gipfeltreffen in Tokio das bisher weltweit größte bilaterale Handelsabkommen unterzeichnet. Durch dieses Abkommen wird ein offener Handelsraum mit über 600 Millionen Menschen geschaffen, der etwa ein Drittel des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) abdeckt. Damit setzen die beiden Partner auch ein Zeichen in Richtung Washington. Denn dort wird weiter an der Eskalationsspirale aus wechselseitigen Zöllen und Handelsbeschränkungen gedreht. Das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen wird laut EU-Kommission nicht nur Zölle abschaffen, sondern vor allem auch eine Reihe regulatorischer Hindernisse beseitigen. Von dieser bilateralen Win-Win-Situation könnten vor allem auch Maschinenbauausfuhren profitieren.

Japan auf Platz 20 der wichtigsten Absatzmärkte deutscher Maschinenausfuhren

Die Ausfuhr deutscher Maschinenbauer nach Japan erreichte im vergangenen Jahr einen Wert von 2,6 Mrd. Euro und konnte damit ein Wachstum von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbuchen. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres gab es keine signifikante Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Von Januar bis Mai betrug der Wert der Maschinenausfuhren nach Japan 1,1 Mrd. Euro (+0,1%). Damit liegt Japan auf Platz 20 der wichtigsten Länder für deutsche Maschinenexporte - eine gemessen an der Bedeutung Japans als Industriestandort eher nachrangige Platzierung. Wesentlicher Grund hierfür dürften der intensive Wettbewerb des deutschen und japanischen Maschinenbaus weltweit und insbesondere die starke Dominanz japanischer Maschinenhersteller im eigenen Land sein. Der Wert europäischer Maschinenausfuhren nach Japan lag im Jahr 2017 bei 5,4 Mrd. Euro. Mit einer Veränderungsrate von 2,5 Prozent konnte die europäische Maschinenbauindustrie jedoch nicht so stark in Japan zulegen wie die deutschen Hersteller.

Deutscher und europäischer Maschinenbau mit Handelsdefizit gegenüber Japan

Auf der anderen Seite führte Deutschland im vergangenen Jahr Maschinen im Wert von 3,5 Mrd. Euro aus Japan ein. Das entsprach einem Wachstum von 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In den ersten 5 Monaten dieses Jahres betrug der Wert der Einfuhren nach Deutschland 1,44 Mrd. Euro (-3,4%). Deutschland liegt in der Rangfolge der wichtigsten Ausfuhrmärkte für japanische Maschinenbauunternehmen auf Platz 8, hat also eine vergleichsweise hohe Bedeutung für japanische Maschinenexporteure. Der gesamte europäische Binnenmarkt ist nach China und den USA sogar wichtigster Absatzmarkt für die japanische Maschinenbauindustrie. Im vergangenen Jahr legten die Wareneinfuhren in die EU aus Japan um 2,8 Prozent auf 12,5 Mrd. Euro zu.

Erleichterung für EU-Unternehmen bei Warenausfuhren nach Japan

Insgesamt begrüßt der deutsche Maschinenbau das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und Japan. Das Abkommen dient vor allem der Beseitigung tarifärer und nicht-tarifärer Handelshemmnisse, sodass europäische Unternehmen in Zukunft voraussichtlich mehr Waren und Dienstleistungen nach Japan verkaufen können. Bisher erschwerten Einfuhrzölle, -verfahren und -normen den Export nach Japan.

Kein Ausgleich für mögliche US-Zölle auf europäische Waren

Nach Ratifizierung durch das europäische und japanische Parlament könnte das Abkommen schon ab 2019 in Kraft treten. Ein zweifelsfrei wichtiger Schritt, dem weitere folgen müssen, der jedoch Forderungen nach einem weiterhin möglichst freien Handel mit den USA nicht überflüssig macht. Zum Vergleich: Die deutsche Maschinenbauindustrie exportierte im Jahr 2017 Waren im Wert von 18 Mrd. Euro in die USA. Dieser Wert entspricht nahezu dem siebenfachen Exportvolumen deutscher Maschinenbauer nach Japan.